Warum kann man ESG-Glas nachträglich nicht mehr bearbeiten?

Warum kann man ESG-Glas nachträglich nicht mehr bearbeiten?

Wer Glas nach Maß bestellt, stößt früher oder später auf einen wichtigen Hinweis:

„Bohrungen, Ausschnitte oder Kantenbearbeitungen müssen vor der ESG-Herstellung erfolgen. Eine nachträgliche Bearbeitung ist nicht möglich.“

Viele Kunden fragen sich dann, warum das so ist. Schließlich lassen sich Holz, Metall oder Kunststoff auch nachträglich bearbeiten.

Bei ESG-Glas sieht das jedoch völlig anders aus.

Die Antwort liegt im Herstellungsverfahren und den besonderen Eigenschaften des Sicherheitsglases.

In diesem Beitrag erklären wir, was ESG eigentlich ist, warum eine nachträgliche Bearbeitung unmöglich ist und weshalb eine sorgfältige Planung bei ESG-Projekten besonders wichtig ist.


Was ist ESG überhaupt?

ESG steht für Einscheibensicherheitsglas.

Dabei handelt es sich um speziell wärmebehandeltes Glas, das deutlich widerstandsfähiger ist als normales Floatglas.

Durch die thermische Vorspannung entstehen im Glas innere Spannungen, die für die hohe Stabilität verantwortlich sind.

Dadurch besitzt ESG:

  • höhere Biegefestigkeit
  • höhere Stoßfestigkeit
  • höhere Temperaturbeständigkeit
  • erhöhten Personenschutz bei Glasbruch

Deshalb wird ESG heute in zahlreichen Bereichen eingesetzt.


Wie ist ESG aufgebaut?

Im Gegensatz zu VSG besteht ESG nur aus einer einzelnen Glasscheibe.

Der Unterschied liegt nicht im Aufbau, sondern in der Behandlung des Glases.

Ausgangspunkt ist gewöhnliches Floatglas.

Dieses wird zunächst vollständig bearbeitet:

  • Zuschnitt
  • Bohrungen
  • Ausschnitte
  • Kantenbearbeitung

Erst danach erfolgt die Härtung.

Die fertige ESG-Scheibe besitzt anschließend dieselbe Dicke wie zuvor, verfügt jedoch über deutlich bessere mechanische Eigenschaften.


Wie wird ESG hergestellt?

Wie ESG-Glas hergestellt wird

Nach der vollständigen Bearbeitung wird das Glas in einen speziellen Härteofen gefahren.

Dort wird es auf etwa 620 °C bis 680 °C erhitzt.

Anschließend erfolgt eine sehr schnelle Abkühlung mit Luft.

Dieser Vorgang wird als thermisches Vorspannen bezeichnet.

Dabei entsteht folgendes Spannungsverhältnis:

  • Druckspannung an der Oberfläche
  • Zugspannung im Kern

Genau diese Spannungen machen ESG so stabil.


Warum kann ESG nachträglich nicht mehr bearbeitet werden?

Die im Glas gespeicherten Spannungen sind der entscheidende Punkt.

Wird nachträglich versucht:

  • zu bohren
  • zu schneiden
  • zu fräsen
  • Ausschnitte herzustellen
  • Kanten nachzubearbeiten

werden die Spannungsverhältnisse zerstört.

Das Glas verliert schlagartig seine Stabilität.

In den meisten Fällen zerfällt die Scheibe sofort vollständig.


Was passiert bei einer nachträglichen Bearbeitung?

Glaser entfernt geschnittenes Glas mit einem speziellen Werkzeug
Fabrik für die Herstellung von Doppelverglasungsfenstern aus Flachglas
Glaser entfernt geschnittenes Glas aus einem speziellen Werkzeug

Die Wirkung lässt sich mit einer gespannten Feder vergleichen.

Während normales Floatglas beim Bohren oder Schneiden lediglich beschädigt wird, löst ESG seine gespeicherte Energie schlagartig.

Die Folge:

Das Glas zerfällt in tausende kleine Krümelstücke.

Genau dieser Effekt macht ESG im Bruchfall so sicher.

Gleichzeitig verhindert er jedoch jede nachträgliche Bearbeitung.

Selbst kleinste Eingriffe können bereits ausreichen, um die gesamte Scheibe zu zerstören.


Warum zerfällt ESG in kleine Krümel?

Auch dies ist eine Folge des Herstellungsverfahrens.

Während normales Glas große, scharfkantige Scherben bildet, zerfällt ESG in viele kleine stumpfkantige Bruchstücke.

Dadurch wird das Verletzungsrisiko deutlich reduziert.

Genau deshalb wird ESG als Sicherheitsglas eingesetzt.


Wo wird ESG eingesetzt?

ESG findet sich heute in zahlreichen Bereichen des täglichen Lebens.

Typische Anwendungen sind:

  • Glasduschen
  • Duschabtrennungen
  • Glastüren
  • Schiebetüren
  • Küchenrückwände
  • Glasmöbel
  • Tischplatten
  • Trennwände
  • Fassadenverglasungen
  • Balkone
  • Windschutzanlagen

Überall dort, wo erhöhte Sicherheitsanforderungen bestehen, kommt ESG häufig zum Einsatz.


Betrifft das auch andere Glasarten?

Ja und Nein.

Nicht jedes Glas reagiert gleich empfindlich wie ESG.

Normales Floatglas kann beispielsweise nachträglich bearbeitet werden.

Allerdings verliert es dabei nicht seine Stabilität, da keine thermischen Spannungen vorhanden sind.

Bei anderen Sicherheitsgläsern sieht die Situation ähnlich aus:

VSG (Verbundsicherheitsglas)

VSG besteht aus mehreren Glasscheiben, die mit einer Folie verbunden sind.

Die einzelnen Scheiben können vor der Herstellung bearbeitet werden.

Nach der Fertigung sind nachträgliche Änderungen jedoch ebenfalls nur sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich.

ESG-H

ESG-H ist ein zusätzlich heißgelagertes ESG.

Auch hier gilt:

Nach der Herstellung sind keine Bearbeitungen mehr möglich.

Isolierglas

Bei Isolierglas sind nachträgliche Änderungen grundsätzlich ausgeschlossen.

Weder Bohrungen noch Ausschnitte können später hinzugefügt werden.


Warum ist die Planung bei ESG so wichtig?

Genau hier entstehen in der Praxis die meisten Probleme.

Ein falsch gemessenes Maß, eine vergessene Bohrung oder ein fehlender Ausschnitt können dazu führen, dass die komplette Scheibe neu gefertigt werden muss.

Anders als bei vielen anderen Materialien gibt es bei ESG praktisch keine Möglichkeit zur Korrektur.

Deshalb sollten vor der Bestellung alle relevanten Punkte feststehen:

  • exakte Maße
  • Beschläge
  • Türgriffe
  • Ausschnitte
  • Steckdosen
  • Schalter
  • Wandanschlüsse
  • Befestigungspunkte

Schon kleine Messfehler können später zu erheblichen Folgekosten führen.


Typische Planungsfehler

In der Praxis begegnen uns immer wieder ähnliche Probleme:

Ein Türgriff wird erst nach der Glasbestellung ausgewählt.

Eine Wand verläuft nicht exakt gerade.

Die Duscharmatur befindet sich an einer anderen Position als ursprünglich geplant.

Ein Beschlag benötigt zusätzliche Bohrungen.

Solche Änderungen sind bei ESG häufig nicht mehr umsetzbar.


Glaswürfel steht für Planung

Professionelle Hilfe lohnt sich

Gerade bei Duschen, Küchenrückwänden, Glasvordächern oder individuellen Sonderanfertigungen empfiehlt sich eine professionelle Planung.

Ein Fachbetrieb berücksichtigt bereits im Vorfeld:

  • Glasart
  • Befestigungen
  • Sicherheitsanforderungen
  • Beschläge
  • Toleranzen
  • Montagesituation

Dadurch lassen sich spätere Überraschungen vermeiden.

Die Kosten für eine professionelle Beratung sind häufig deutlich geringer als die Kosten einer falsch gefertigten ESG-Scheibe.


Fazit

ESG ist eines der wichtigsten Sicherheitsgläser im modernen Innen- und Außenbereich.

Seine hohe Stabilität verdankt es einer speziellen thermischen Behandlung, die gleichzeitig dazu führt, dass das Glas nachträglich nicht mehr bearbeitet werden kann.

Bohrungen, Ausschnitte und sämtliche Bearbeitungen müssen deshalb bereits vor der Härtung exakt geplant werden.

Wer bei ESG auf eine sorgfältige Planung und professionelle Unterstützung setzt, vermeidet teure Fehler und erhält ein Glasprodukt, das viele Jahre sicher und zuverlässig seinen Dienst erfüllt.


Ihr Glas, für Ihr Projekt

Sie planen eine Glasdusche, Küchenrückwand, Trennwand oder ein anderes Projekt aus ESG?

Wir unterstützen Sie gerne bei Planung, Aufmaß, Auswahl der Beschläge und der fachgerechten Umsetzung.

Lassen Sie sich beraten, bevor aus einem kleinen Messfehler eine neue Glasscheibe wird.

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