Einleitung
Wer sich mit Glas beschäftigt, stößt früher oder später auf Begriffe wie Floatglas, ESG, TVG oder VSG. Für Fachleute gehören diese Bezeichnungen zum Alltag, für Bauherren, Renovierer oder Kunden wirken sie jedoch oft verwirrend.
Dabei beschreiben diese Begriffe die Eigenschaften und Sicherheitsmerkmale verschiedener Glasarten und sind entscheidend dafür, ob ein Glas später für eine Dusche, einen Balkon, ein Glasvordach oder ein Fenster geeignet ist.
In diesem Beitrag erklären wir die wichtigsten Glasarten verständlich und zeigen, wo die Unterschiede liegen.
Was ist Floatglas?
Floatglas ist die Grundlage nahezu aller modernen Glasprodukte.
Es handelt sich um normales Flachglas, das im sogenannten Floatverfahren hergestellt wird. Dabei schwimmt das flüssige Glas auf einem Bad aus flüssigem Zinn und erhält dadurch seine besonders glatte und ebene Oberfläche.
Floatglas besitzt eine hohe optische Qualität und wird als Ausgangsmaterial für viele weitere Glasarten verwendet.
Es findet sich beispielsweise in:
- Fenstern
- Bilderrahmen
- Spiegeln
- Möbeln
- einfachen Verglasungen
Floatglas bietet jedoch keine besonderen Sicherheitseigenschaften.
Bricht eine Floatglasscheibe, entstehen große und scharfkantige Glasscherben.
Was ist ESG?
ESG steht für Einscheibensicherheitsglas.
Dabei handelt es sich um Floatglas, das nach der Bearbeitung thermisch gehärtet wird.
Das Glas wird auf über 600 °C erhitzt und anschließend schlagartig mit Luft abgekühlt.
Dadurch entstehen innere Spannungen, die das Glas deutlich widerstandsfähiger machen.
ESG besitzt:
- höhere Biegefestigkeit
- höhere Schlagfestigkeit
- höhere Temperaturbeständigkeit
Der größte Unterschied zeigt sich jedoch beim Bruchverhalten.
Während Floatglas große Scherben bildet, zerfällt ESG in viele kleine stumpfkantige Krümelstücke.
Dadurch wird das Verletzungsrisiko deutlich reduziert.
Was ist TVG?
TVG bedeutet Teilvorgespanntes Glas.
Die Herstellung ähnelt ESG, allerdings wird das Glas weniger stark vorgespannt.
Dadurch entstehen geringere innere Spannungen.
TVG liegt hinsichtlich seiner Eigenschaften zwischen Floatglas und ESG.
Es ist:
- stabiler als Floatglas
- weniger stark gespannt als ESG
- widerstandsfähiger gegen Temperaturunterschiede
Im Bruchfall entstehen größere Bruchstücke als bei ESG.
Genau dieses Verhalten macht TVG für viele Verbundsicherheitsgläser interessant.
Was ist VSG?
VSG steht für Verbundsicherheitsglas.
Dabei werden mindestens zwei Glasscheiben dauerhaft mit einer hochfesten Folie verbunden.
Diese Folie hält die Bruchstücke zusammen, falls das Glas beschädigt wird.
Der große Vorteil:
Selbst bei einem Glasbruch bleibt die Scheibe meist geschlossen.
Dadurch wird verhindert, dass Personen durch herabfallende Glassplitter verletzt werden.
VSG wird häufig eingesetzt bei:
- Glasvordächern
- Balkonbrüstungen
- Glasgeländern
- Überkopfverglasungen
- absturzsichernden Verglasungen



Was bedeutet „VSG aus Float“?
Hier bestehen die einzelnen Glasscheiben des Verbundsicherheitsglases aus gewöhnlichem Floatglas.
Beispiel:
- Floatglas
- Folie
- Floatglas
Dies ist die einfachste und kostengünstigste Variante eines Verbundsicherheitsglases.
Sie wird häufig bei Fenstern oder einfachen Sicherheitsverglasungen eingesetzt.
Was bedeutet „VSG aus TVG“?
Bei dieser Variante bestehen die einzelnen Scheiben aus teilvorgespanntem Glas.
Der Aufbau lautet:
- TVG
- Folie
- TVG
Dadurch entsteht eine deutlich höhere Tragfähigkeit.
VSG aus TVG wird häufig eingesetzt bei:
- Glasvordächern
- Überkopfverglasungen
- Fassaden
- größeren Verglasungen
Da die Bruchstücke von TVG größer bleiben als bei ESG, kann die Verbundfolie die Lasten besser aufnehmen.
Was bedeutet „VSG aus ESG“?
Hier werden ESG-Scheiben mit einer Verbundfolie kombiniert.
Aufbau:
- ESG
- Folie
- ESG
Diese Variante verbindet die Vorteile von ESG mit der Sicherheit eines Verbundglases.
Sie wird häufig eingesetzt bei:
- Duschen
- Brüstungen
- Trennwänden
- Windschutzanlagen
- hochwertigen Sicherheitsverglasungen
Wo liegen die Unterschiede?
Die Glasarten unterscheiden sich vor allem in:
- Stabilität
- Bruchverhalten
- Sicherheit
- Einsatzbereich
| Eigenschaft | Float | TVG | ESG | VSG |
|---|---|---|---|---|
| Sicherheit | gering | mittel | hoch | sehr hoch |
| Stoßfestigkeit | gering | erhöht | hoch | abhängig vom Aufbau |
| Temperaturbeständigkeit | gering | erhöht | hoch | abhängig vom Aufbau |
| Bruchverhalten | scharfkantige Scherben | größere Bruchstücke | kleine Krümel | Folie hält Bruchstücke zusammen |
| Bearbeitbarkeit | gut | nur vor Vorspannung | nur vor Härtung | nur vor Herstellung |



Vor- und Nachteile der Glasarten
Floatglas
Der größte Vorteil liegt im günstigen Preis und der einfachen Bearbeitung.
Allerdings besitzt Floatglas keine Sicherheitsfunktion und sollte daher nicht überall eingesetzt werden.
TVG
TVG bietet mehr Stabilität als Floatglas und eignet sich hervorragend als Basis für hochwertige Verbundsicherheitsgläser.
Die Kosten liegen jedoch höher.
ESG
ESG überzeugt durch seine hohe Stabilität und sein sicheres Bruchverhalten.
Nachteilig ist, dass nach der Härtung keine Bearbeitung mehr möglich ist.
VSG
VSG bietet den höchsten Personenschutz.
Selbst bei Glasbruch bleiben die Bruchstücke an der Folie haften.
Dadurch eignet es sich besonders für sicherheitsrelevante Anwendungen.
Allerdings ist VSG schwerer und meist teurer als vergleichbare Einfachverglasungen.
Wo werden diese Glasarten eingesetzt?
| Glasart | Typische Anwendungen |
| Floatglas | Fenster, Bilderrahmen, Spiegel, Möbel |
| ESG | Duschen, Glastüren, Trennwände, Küchenrückwände |
| TVG | Fassaden, Überkopfverglasungen, Spezialverglasungen |
| VSG aus Float | Fenster, Sichtschutzverglasungen |
| VSG aus TVG | Glasvordächer, Fassaden, Dachverglasungen |
| VSG aus ESG | Brüstungen, Windschutz, Duschen, Geländer |
Warum ist die richtige Glaswahl so wichtig?
Viele Kunden konzentrieren sich zunächst auf die Glasstärke oder die Optik.
Mindestens genauso wichtig sind jedoch die technischen Eigenschaften.
Ein Glasvordach benötigt beispielsweise völlig andere Eigenschaften als eine Glasdusche.
Während bei einer Dusche häufig ESG verwendet wird, kommen bei Vordächern meist VSG aus TVG oder spezielle Sicherheitsaufbauten zum Einsatz.
Die Wahl der falschen Glasart kann nicht nur zu Problemen bei der Nutzung führen, sondern im schlimmsten Fall auch gegen geltende Vorschriften verstoßen.
Planung und Beratung lohnen sich
Gerade bei Sicherheitsglas sollte die Planung nicht unterschätzt werden.
Bohrungen, Ausschnitte und Beschläge müssen häufig bereits vor der Herstellung berücksichtigt werden.
Besonders bei ESG und VSG können nachträgliche Änderungen oft nicht mehr durchgeführt werden.
Ein kleiner Messfehler kann dadurch schnell zu einer komplett neuen Glasscheibe führen.
Deshalb lohnt es sich, bereits in der Planungsphase professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Fazit
Floatglas, ESG, TVG und VSG haben alle ihre Daseinsberechtigung und erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Während Floatglas als Basis vieler Glasprodukte dient, sorgen ESG und TVG für höhere Stabilität. VSG bietet zusätzlich einen hohen Personenschutz und wird überall dort eingesetzt, wo Sicherheit besonders wichtig ist.
Welche Glasart die richtige ist, hängt immer vom jeweiligen Projekt und den Anforderungen ab.
Eine fachliche Beratung hilft dabei, die optimale Lösung zu finden und spätere Probleme zu vermeiden.
Ihr Glas, für Ihr Projekt
Sie sind unsicher, welche Glasart für Ihr Vorhaben geeignet ist?
Wir beraten Sie gerne bei der Auswahl der passenden Verglasung und unterstützen Sie von der Planung bis zur fachgerechten Umsetzung.
Gemeinsam finden wir die richtige Glaslösung für Ihr Projekt.


Schreiben Sie einen Kommentar