Sicherheitsglas wird heute in vielen Bereichen eingesetzt – von Duschen über Glasgeländer bis hin zu Fassaden und Überkopfverglasungen. Dabei fällt häufig der Begriff ESG-H oder Heat Soak Test (HST).
Doch was steckt dahinter?
Wann ist dieser Test sinnvoll oder sogar vorgeschrieben – und welchen Vorteil haben Sie als Kunde davon?
In diesem Beitrag erklären wir Ihnen den ESG-H Heat Soak Test verständlich und praxisnah.
Was ist ESG-H?
ESG-H steht für Einscheibensicherheitsglas mit Heat Soak Test.
Dabei handelt es sich um normales ESG (gehärtetes Glas), das nach der Herstellung zusätzlich einem speziellen Prüfverfahren unterzogen wird – dem sogenannten Heat Soak Test.
Ziel ist es, das Risiko von sogenannten Spontanbrüchen deutlich zu reduzieren.
Warum wird der Heat Soak Test benötigt?
Auch wenn ESG sehr stabil ist, kann es in seltenen Fällen zu einem Spontanbruch kommen – also einem Bruch ohne äußere Einwirkung.
Die Ursache dafür sind sogenannte Nickelsulfid-Einschlüsse (NiS) im Glas. Diese entstehen bereits bei der Glasherstellung und sind mit bloßem Auge nicht sichtbar.
Im Laufe der Zeit können sich diese Einschlüsse verändern und Spannungen im Glas verursachen – im schlimmsten Fall führt das zum Bruch.
Der Heat Soak Test dient dazu, genau diese kritischen Glasscheiben vorab zu identifizieren.
Was passiert beim Heat Soak Test? (Verfahren)
Beim Heat Soak Test wird das Glas gezielt einer thermischen Belastung ausgesetzt.
Ablauf:
- Das ESG wird in einen speziellen Ofen eingelegt
- Es wird auf ca. 280–300 °C erhitzt
- Diese Temperatur wird über mehrere Stunden gehalten
- Scheiben mit kritischen Einschlüssen brechen im Ofen
Nur Glas, das diesen Test übersteht, wird als ESG-H verwendet.
Welche Vorteile hat ESG-H für Sie?
Der größte Vorteil liegt in der erhöhten Sicherheit und Zuverlässigkeit.
| Vorteil | Erklärung |
|---|---|
| Reduziertes Spontanbruch-Risiko | kritische Scheiben werden vorab aussortiert |
| Höhere Sicherheit | besonders bei großen oder gefährdeten Glasflächen |
| Planungssicherheit | weniger Ausfälle nach dem Einbau |
| Vertrauen | geprüfte und dokumentierte Qualität |
Wichtig:
Der Heat Soak Test reduziert das Risiko deutlich, kann es jedoch nicht vollständig ausschließen.



Wann ist ESG-H sinnvoll?
Der Einsatz von ESG-H ist besonders dann sinnvoll, wenn:
- Glas schwer zugänglich ist
- ein Austausch aufwendig oder teuer wäre
- ein Bruch ein erhöhtes Risiko darstellt
Typische Anwendungen:
- Fassadenverglasungen
- Überkopfverglasungen
- Glasdächer
- große Glasflächen
- öffentliche Gebäude
Auch im privaten Bereich kann ESG-H sinnvoll sein, z. B. bei großen Glasduschen oder Wintergärten.
Wann ist ESG-H Pflicht?
In bestimmten Bereichen ist ESG-H vorgeschrieben.
Das betrifft insbesondere:
- Überkopfverglasungen
- Fassaden in öffentlichen Bereichen
- absturzsichernde Verglasungen (je nach Ausführung)
👉 Hier gelten baurechtliche Vorgaben und Normen, die eingehalten werden müssen.
Gibt es Vorschriften und Normen?
Ja, der Heat Soak Test ist klar geregelt.
Wichtige Norm:
- DIN EN 14179
Diese Norm definiert:
- Ablauf des Tests
- Temperaturbereiche
- Dauer des Verfahrens
- Qualitätsanforderungen
👉 Für Bauprojekte ist die Einhaltung dieser Norm oft zwingend erforderlich.



Gibt es ein Prüfzertifikat für ESG-H?
Ja, ESG-H Glas wird in der Regel entsprechend gekennzeichnet und dokumentiert.
Nach dem Heat Soak Test erhält das Glas:
- eine dauerhafte Kennzeichnung auf der Scheibe (Stempel)
- sowie ein Zertifikat oder Konformitätsnachweis vom Hersteller
Diese Kennzeichnung enthält häufig:
- Herstellerangaben
- Glasart (ESG-H)
- Norm (z. B. DIN EN 14179)
👉 So können Sie sicher sein, dass das Glas den Test tatsächlich durchlaufen hat.
Wie erkennt man ESG-H Glas?
ESG-H Glas ist meist an einer Markierung in einer Ecke der Scheibe erkennbar.
Typische Angaben:
- „ESG-H“
- „EN 14179“
- Hersteller
Diese Kennzeichnung dient als Nachweis für geprüfte Sicherheit und ist besonders bei Bauabnahmen wichtig.
Unterschied zwischen ESG und ESG-H
| Merkmal | ESG | ESG-H |
|---|---|---|
| Herstellung | thermisch gehärtet | thermisch gehärtet + getestet |
| Spontanbruch-Risiko | vorhanden | deutlich reduziert |
| Einsatzbereiche | Standard | sicherheitsrelevante Anwendungen |
| Kosten | günstiger | etwas höher |



Für wen ist ESG-H besonders relevant?
Der Heat Soak Test ist besonders wichtig für:
- Architekten
- Bauherren
- Gewerbekunden
- öffentliche Projekte
Aber auch private Bauherren profitieren, wenn hohe Sicherheitsanforderungen bestehen.
Fazit
Der ESG-H Heat Soak Test ist ein wichtiges Verfahren zur Erhöhung der Sicherheit von Glas. Er reduziert das Risiko von Spontanbrüchen deutlich und sorgt für mehr Planungssicherheit.
Besonders bei sicherheitsrelevanten Anwendungen oder großen Glasflächen ist ESG-H oft die bessere – und teilweise vorgeschriebene – Wahl.
Unsicher bei der Auswahl?
Die Anforderungen an Glas hängen stark vom Einsatzbereich ab. Wir beraten Sie gerne bei der Auswahl des passenden Glases für Ihr Projekt.
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